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„Ich möchte die Menschen immer wieder überraschen“

Christopher Lehmpfuhl spricht im Interview über seine erste große Retrospektive, was er als Künstler seinem Publikum gedanklich mitgeben möchte und was ihn so sehr an der schleswig-holsteinischen Landschaft fasziniert. Die Sonderausstellung „Farbrausch“ ist noch bis zum 17. Oktober 2021 auf der Schleswiger Museumsinsel zu sehen.

Herr Lehmpfuhl, was bedeutet Ihnen die Sonderausstellung „Farbrausch“, die derzeit auf der Museumsinsel Schloss Gottorf gezeigt wird, ganz persönlich?

Das Besondere ist, dass es die erste Retrospektive ist. Es werden Werke gezeigt, die ich seit vielen Jahren in der Schublade oder im Lager aufbewahrt habe. Von denen ich gedacht habe, die hebe ich noch auf - und jetzt auf einmal werden sie hier in voller Pracht präsentiert und fassen mein gesamtes Oeuvre wunderbar zusammen. Daher ist das wirklich eine ganz besondere Ausstellung für mich. Wenn mich jetzt jemand fragen würde, wer bist du eigentlich, dann würde ich sagen, geh mal in die Reithalle auf der Schleswiger Museumsinsel.

Was würden Sie sich wünschen, was die Besucherinnen und Besucher aus Ihrer Ausstellung gedanklich oder emotional mitnehmen?

Dass sie auftanken. Dass sie gute Kunst sehen. Dass sie beim Blick auf einzelne Werke die Reisen antreten, die ich gemacht habe – nach Indien, China, Island oder zum Beispiel in die Alpen. Dass sie vielleicht auch den einen oder anderen Ort wiedererkennen. Dass bei Ihnen Erinnerungen geweckt werden. Und dass sich ihr Blick durch meine Ausstellung und meine Sicht auf die Dinge vielleicht verändert. Ich würde mir wünschen, dass die Besucherinnen und Besucher etwas Nachhaltiges mitnehmen. Klaus Fußmann hat es immer so formuliert, dass es einen Künstler auszeichnet, wenn er unsere Sicht auf die Dinge prägt. 

Geht es Ihnen auch so, dass Sie durch eine Landschaft fahren und plötzlich Assoziationen zu einem bestimmten Künstler haben?

Ja, auf jeden Fall. Hans-Joachim Billib zum Beispiel war ein sehr geschätzter Kollege und Freund von mir. Und es gibt so bestimmte Rapslandschaften, wenn ich die sehe, dazu Cumulus-Wolken, dann denke ich immer an ihn. Manchmal zeigt sich der Abendhimmel in Berlin auf eine ganz bestimmte Weise - wie in Werken von Matthias Köppel. Ich nehme Stillleben vor dem Fenster wahr und bin bei Klaus Fußmann. Oder ich sehe eine verlassene Straße und es werden bei mir Assoziationen geweckt, die mich an Edward Hopper denken lassen. Ich denke mal, das ist so ein Ziel jedes Künstlers, dass seine Werke uns bereichern und vielleicht auch ein bisschen verändern und wir die Dinge bewusster wahrnehmen.

Bewusst wahrnehmen ist ein gutes Stichwort. Trotz Ihrer vielen Malreisen ins Ausland ist Schleswig-Holstein seit vielen Jahren ein wichtiges künstlerisches Thema für Sie. Was mögen Sie besonders an diesem Land?

Schleswig-Holstein gehört für mich zu den spannendsten Bundesländern in Deutschland - allein schon deshalb, weil es hier zwei Meere gibt. Dann diese ganz unterschiedlichen Wetter und Winde, die in den zerfurchten Auswüchsen der Bäume zu sehen sind, auch dann, wenn gar kein Wind weht. Die norddeutsche Landschaft ist einfach etwas rauer. Und ich begeistere mich für Landschaften, die nicht nur gemütlich sind, sondern die Facetten des Lebens bereithalten. Ich mag es, dass nicht immer nur die Sonne scheint, sondern dass das Wetter auch schnell wechselt, und man damit unterschiedliche Lichtstimmungen einfangen kann. Wenn dann die Sonne kommt, hat sie einen ganz besonderes Licht. Das Licht des Nordens ist wirklich phantastisch. Es ist so klar und rein - und das ist für einen Lichtmaler absolut zu spüren, wenn man aus dem grauen Berlin kommt. 

Das spiegelt sich ja auch in einigen Werken wieder, die in der aktuellen Gottorfer Ausstellung gezeigt werden. Die Schau ist eine Bestandsaufnahme Ihres bisherigen Schaffens. Gewähren Sie uns zum Abschluss einen Blick in Ihre künstlerische Zukunft? 

Sehr gern. Es gibt natürlich viele kleinere und größere Ziele für Malreisen, die ich aber im Moment noch nicht konkret benennen kann. Unabhängig davon plane ich, auch plastisch zu arbeiten, Köpfe in Bronze zu schaffen. Auch das Gestalten von Kirchenfenstern finde ich reizvoll und die Freskomalerei. Das wird sehr herausfordernd, weil ja immer nur der Teil des Putzes zur Verfügung steht und bemalt werden kann, der frisch ist. Ein ganz anderes Thema: Ich arbeite an einer „Hommage an Alte Meister“. So entstehen nach meinen großen Vorbildern wie Caravaggio, Tizian, Velazquez, Rubens und auch Goya eine Reihe von Aquarellen. Ich möchte die Menschen einfach immer wieder überraschen. Ich möchte nicht, dass sie denken: Lehmpfuhl, der steht da und dafür.

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