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Starfotograf trifft Max Liebermann


Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte präsentiert noch bis Ende Oktober die Sonderausstellung „Moderne und Idyll. Impressionismus in Deutschland. Unsere Kuratorin, die Kunsthistorikerin Lisanne Heitel, gibt Ihnen an dieser Stelle in regelmäßigen Abständen Einblicke in jene Zeit und stellt einzelne Werke vor. Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht eine Aufnahme des renommierten Fotografen Felix H. Man, der den hochbetagten Max Liebermann getroffen hat. Auf den ersten Blick scheint es, als habe er den Maler mitten in der Arbeit an einem Selbstporträt fotografiert…


1930. Die NSDAP wird bei den Reichstagswahlen zweitstärkste Partei hinter der SPD. Im selben Jahr besucht der Starfotograf Felix H. Man den hochbetagten Max Liebermann in seinem Berliner Atelier. Nur auf den ersten Blick scheint es, als habe er den erfolgreichen Maler mitten in der Arbeit an seinem Selbstporträt fotografiert. Der Künstler steht vom Betrachter abgewandt zwischen Gemälde und Spiegel. Im Spiegelbild wird deutlich, dass die vom Schlaglicht beleuchtete Palette blank geputzt ist und Liebermann anders als in seinem Selbstporträt einen schwarzen Anzug trägt. Sein Kopf ist auch nicht mit einem Hut bedeckt. Die Arbeit an dem Bild scheint längst abgeschlossen.

Der Fotograf fängt einen Moment ein, in dem die dunklen, durchdringenden Augen des Künstlers, die als Markenzeichen seiner Selbstporträts gelten, im Spiegelbild nach unten gerichtet sind. Sie wirken matt und müde. So erweist sich die Inszenierung als Memento Mori - sie enthält das Wissen um die Vergänglichkeit des Seins im Moment großen Ruhms ebenso wie die Aussage, dass der Künstler in seinen Kunstwerken überdauern wird.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verbringt Liebermann seine letzten Lebensjahre von allen Ämtern zurückgezogen in Berlin. Nur noch wenige zeigen sich mit ihm solidarisch. In einem offenen Brief bezeichnet Oskar Kokoschka ihn als „Führer ins Freie“, der in einer Zeit, als es um die deutsche Malerei recht muffig bestellt gewesen sei, ein Fenster aufgestoßen habe. Damit erinnert er an die 1880er Jahre, als Liebermann, wie Kokoschka schreibt, mit seinen in hellem Licht und im Freien gemalten Bildern auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin angekommen sei und später gemeinsam mit Walter Leistikow die Berliner Secession gegründet habe (Brief von Oskar Kokoschka an die Redaktion der Frankfurter Zeitung, Paris im Mai 1933, in: Oskar Kokoschka, Mein Leben, München 1971.).

Liebermann stirbt 1935. Der Fotograf Felix H. Man emigriert 1934 nach London.

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