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Schleswigerin schenkt „ihrem“ Landesmusem den „Kristus-Zyklus“

Die Sammlung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf ist durch eine bedeutende Holzschnitt-Mappe des „Brücke“-Künstlers Karl Schmidt-Rottluff bereichert worden. Die großzügige Schenkung der Schleswiger Kunstsammlerin Maren Harms stärkt den Gottorfer Expressionismus-Schwerpunkt, für den neben der museumseigenen Sammlung ganz besonders die großartigen Bestände der Stiftung Rolf Horn stehen.

Durch ihren Großvater und Vater bereits früh an die Kunst herangeführt begleitet Maren Harms die Ausstellungen und Sammlungen des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte auf der Museumsinsel Schloss Gottorf seit mehr als 30 Jahren. Mindestens solange ist sie darüber hinaus auch Mitglied im Freundeskreis des Museums.

Holzschnitte gehören zu Hauptwerken Karl Schmidt-Rottluffs

Aus dem Nachlass des Kieler Kunstsammlers Bernd Mulack, mit dem Harms weit mehr als zehn Jahre zusammenlebte, stammt die Mappe mit den neun Holzschnitten des berühmten Kristus-Zyklus, einem Hauptwerk Karl Schmidt-Rottluffs (1884-1976). Dieser gehörte zusammen mit Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl und Erich Heckel im Jahr 1905 zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe „Brücke“, die für die Entwicklung des Expressionismus in Deutschland von herausragender Bedeutung war.

Gottorfs Leitender Direktor und wissenschaftlicher Vorstand Dr. Thorsten Sadowsky überzeugte sich bei einem Besuch von Maren Harms im Barlachsaal der Galerie der Klassischen Moderne von dem exzellenten Zustand der Arbeiten. „Diese Zustiftung stellt eine bedeutende Aufwertung unserer Expressionisten-Ausstellung dar. Sie haben unserem Musuem damit ein sehr großzügiges Geschenk gemacht“, dankte Sadowsky der Kunst-Liebhaberin.

Sein Kollege Dr. Carsten Fleischhauer, Leiter der großen Gottorfer Graphischen Sammlung, bekräftigte dies: „Wenn überhaupt einmal eine solche Mappe, die in einer kleinen Auflage von 75 Exemplaren gedruckt worden ist, vollständig und in einem derart tadellosen Zustand im Kunsthandel auftaucht, dann erzielt sie bisweilen einen hohen fünfstelligen Betrag.“

Ausstellung bis Ende des Jahres im Barlach-Saal der Stiftung Horn

Kennzeichnend für die „Brücke“-Künstler war ihre kreative Beschäftigung mit der zeitgenössischen künstlerischen Avantgarde aus Frankreich sowie eine intensive Auseinandersetzung mit sogenannter „primitiver Kunst“ aus Afrika. Neben der Malerei entwickelte der Holzschnitt sich zu einer der wichtigsten künstlerischen Ausdrucksformen der Gruppe – eine Technik, mit der sich künstlerische Ziele wie die Abstraktion von Details zugunsten ausdrucksstarker, konturbetonter Formen eindringlich umsetzen ließen.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte sich die „Brücke“ bereits aufgelöst. Schmidt-Rottluff war nie von der patriotischen Begeisterung und den utopischen Hoffnungen angesteckt worden, die viele andere Künstler seiner Generation zu Kriegsbeginn erfasst hatten. Der Militärdienst 1915-1918 bedeutete für Schmidt-Rottluff eine einschneidende Zäsur – thematisch, indem erstmals in seinem Werk religiöse Fragen in den Mittelpunkt rückten, und künstlerisch durch eine  intensive Suche nach „stärkeren Formen“, die „der Wucht eines solchen Völkerwahnsinns standhalten“.

Dies zeigt sich besonders eindringlich in der Holzschnitt-Mappe mit dem sogenannten „Kristus-Zyklus“, die 1918 im Münchener Kurt Wolff-Verlag in einer Auflage von 75 Exemplaren erschienen ist. Die Motive der Mappe hat der Künstler sehr individuell ausgewählt, indem er essenzielle menschliche Gefühle und Erfahrungen aufgriff – Liebe („Kuss in Liebe“), Verrat („Kristus und Judas“), Gottes Allmacht („Kristus flucht dem Feigenbaum“) oder das Nicht-Erkennen Christi („Gang nach Emmaus“).

Der gesamte Kristus-Zyklus ist nun bis zum Ende des Jahres im Barlach-Saal der Stiftung Horn ausgestellt.

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