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Kunst und Kultur in der Kaiserzeit


„Die neue Kunst wird kommen, die Alten mögen wüten dagegen wie sie wollen.“ - so Hans Olde in einem Brief an seinen lebenslangen Freund, den Bildhauer Adolf Brütt, 1888.


Dunkel im Ton, schwer der Inhalt – der Kunstgeschmack der deutschen Kaiserzeit ist konservativ. Neue Strömungen, vor allem der Impressionismus aus Frankreich, haben es nicht leicht. Die anerkannte Kunst ist akademisch, geschätzt werden Bildnisse im schweren Galerieton, die Hellmalerei der Impressionisten sorgt eher für Befremden. Nicht zuletzt werden auch die Inhalte der jungen Künstler – vor allem die Landschaft – als bildunwürdig abgelehnt. Eine maßgebliche Stimme im Kunstbetrieb ist Kaiser Wilhelm II. In seiner berühmten Rinnsteinrede 1901 definiert er, was Kunst leisten soll.

Eine maßgebliche Stimme im Kunstbetrieb ist Kaiser Wilhelm II.:

„Eine Kunst, die sich über die von Mir bezeichneten Gesetze und Schranken hinwegsetzt, ist keine Kunst mehr […]. Die Kunst soll mithelfen, erzieherisch auf das Volk einzuwirken, sie soll auch den unteren Ständen nach harter Mühe und Arbeit die Möglichkeit geben, sich an den Idealen wieder aufzurichten. (…) Wenn nun die Kunst, wie es jetzt vielfach geschieht, weiter nichts tut, als das Elend noch scheußlicher hinzustellen, wie es schon ist, dann versündigt sie sich damit am deutschen Volke. Die Pflege der Ideale ist zugleich die größte Kulturarbeit, und wenn wir hierin den anderen Völkern ein Muster sein und bleiben wollen, so muß das ganze Volk daran mitarbeiten, und soll die Kultur ihre Aufgabe voll erfüllen, dann muß sie bis in die untersten Schichten des Volkes hindurchgedrungen sein. Das kann sie nur, wenn die Kunst die Hand dazu bietet, wenn sie erhebt, statt daß sie in den Rinnstein niedersteigt.“

Mit diesem Kaiser, der den aus Frankreich kommenden Impressionismus und die deutsche moderne Malerei ablehnt, kommt Olde persönlich in Berührung. Der Monarch sprach sich gegen eine Berufung Oldes zum Direktor der Kasseler Akademie 1911 aus. Es kam zu einer Aussprache.

Der Kaiser soll lebhaft den Wunsch geäußert haben, Olde zu sprechen

Hans Olde: „Der Kaiser fragte nach mir und soll sehr lebhaft den Wunsch geäußert haben, mich zu sprechen. Er sprach lange und sehr lebhaft und eingehend mit mir über Cassel, war gut unterrichtet über die Einzelheiten, die ich auch schon kennengelernt hatte und auf die ich dann auch eingehen konnte. Er äusserte weiter seine Ansichten über Kunst im allgemeinen und speziellen. Sprach über Kultivierung der grossen historischen Kunst und missbilligte die vielen belanglosen Landschaften bei uns. […] Ich sagte ihm, eine Landschaft müsste ebenso gut einen grossen Stil haben wie ein Historienbild und anderes was meinen Auffassungen entsprach und schien er davon befriedigt... […] Der Kaiser agierte sehr lebhaft mit den Armen und rückte mir so nahe, dass sich unsere Nasen beinahe berührten. Ich habe den Eindruck, dass ich ganz offen mit ihm sprechen kann, zwangloser als mit den Großherzog. Valentini [sein] (Kabinettschef), der mich nicht vorgestellt hatte, kam nachher gleich zu mir, und sagte mir, mich beglückwünschend, nun wäre alles ganz, ganz ausgezeichnet, ich würde sehr bevorzugt, nachdem sie und auch er doch manche Schwierigkeiten zu überwinden gehabt hätten mit mir. Ich solle S.M. wahrscheinlich gleich malen in ganzer Figur.“

Quellen: Hans Oldes schriftlicher Nachlass im Besitz der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. Die Reden Kaiser Wilhelms II. in den Jahren 1901 – Ende 1905 (=Bd. 3 v. Die Reden Kaiser Wilhelms II., hg. V. Johannes Penzler, Leipzig 1907.
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