Corona-Pandemie

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Ist das Kunst?

Hat nicht jeder von uns etwas zuhause, wo er sich fragt: Ist das Kunst? Das kann die alte Vase von Oma sein, ein Zufallsfund auf dem Dachboden oder ein Glücksgriff auf dem Flohmarkt... Dr. Carsten Fleischhauer erklärt im Interview, wie man eine Antwort auf die Frage bekommt, ob sein Lieblingsstück von Wert ist und warum es dabei nicht nur um Geld geht.

Herr Fleischhauer, das Museum für Kunst und Kulturgeschichte bietet regelmäßig an, persönliche Lieblingsstücke zu begutachten - Einschätzungen zu Herkunft und Wert zu geben. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ist das derzeit leider nicht möglich. Was sind das denn für Exponate, mit denen die Menschen zu Ihnen kommen? 

Da gibt es eine große Bandbreite, von Grafiken und Ölbildern über Bücher bis hin zu Keramik, Uhren und Spielzeug. Allerdings handelt es sich lange nicht bei allen Stücken um Kunst von großem Wert – Werke von internationalen Starkünstlern findet man auf Dachböden nun einmal sehr selten, das ist in Schleswig-Holstein nicht anders als überall sonst. 

Sprechen wir mal konkret über Bilder…

Da bekommen wir zum Beispiel immer wieder Ölbilder von regionalen Künstlern aus der Zeit zwischen etwa 1930 und 1950 zu sehen, mit einer Landschaft oder einem schönen alten Haus als Motiv. Das sind dann oftmals Bilder, die einst in der Guten Stube der Groß- oder Urgroßeltern hingen. Werke aus dieser Epoche sind allerdings auf dem Kunstmarkt derzeit nicht unbedingt besonders gefragt. 

Bei Ölbildern gibt es ohnehin große Unterschiede, oder?

Ja, das stimmt in der Tat. Immer wieder werden uns gerahmte und verglaste Bilder vorgelegt, bei denen der Kenner sofort erkennt, dass es sich gar nicht um Gemälde, sondern um sogenannte Öldrucke handelt. Hinter Glas ist manchmal nur schwer zu erkennen, dass die Oberfläche des Bildes gedruckt ist und keine Pinselstriche zu erkennen sind. Diese Öldrucke haben dann natürlich keinen Marktwert.

A propos Marktwert. Wir haben da auch schon von durchaus etwas älteren Objekten – in diesem Fall keine Bilder – aus dem asiatischen Raum gehört, die immer wieder auftauchen aber meist vor allem von persönlichem Wert sind.

Das stimmt. In Schleswig-Holstein gibt es viele Familien, deren Vorfahren in der Kaiserzeit zur See gefahren sind – und die nicht selten Keramiken, Masken, Götterfiguren und ähnliche Dinge aus fernen Handelshäfen oder auch aus den deutschen Kolonien mitgebracht haben. Diese haben mit Blick auf die Familiengeschichte mit Sicherheit eine persönliche Bedeutung. In den meisten Fällen geht es allerdings nicht um große materielle Werte – vieles ist schon damals vor Ort eigens hergestellt worden, um europäischen Reisenden als Souvenir verkauft zu werden. Solche Sachen sind auch nicht von der aktuellen Debatte um koloniale Raubkunst betroffen – für unsere eigenen Sammlungsbestände stehen wir als Museum aber natürlich in der Verantwortung, mögliche koloniale Hintergründe zu überprüfen. 

Sprechen wir mal über Objekte, die von Wert sind. Oder gibt es keine?

Doch. Auf jeden Fall. Zum Beispiel sehen wir ziemlich oft Grafiken aus der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert – sehr beliebt waren vor allem alte Stadtansichten aus Schleswig-Holstein und Norddeutschland. Wenn solche Druckgrafiken in einem guten Zustand sind, sind sie oftmals ein paar Hundert Euro wert. Ein ganz anderes Beispiel: Auch für Angeliter Standuhren kann man, je nach Zustand, durchaus einen guten Preis erzielen.

Was ist mit Büchern?

Da kommt es nicht selten zu großen Enttäuschungen, denn nicht jedes Buch, das im 17 Jahrhundert gedruckt worden ist, ist automatisch wertvoll. Das sieht anders aus, wenn solche Bücher schöne Illustrationen haben. Um mehr über den Wert eigener Bücher zu erfahren, hilft immer ein Besuch in einem guten Antiquariat, wie es sie zum Beispiel in Kiel gibt. Auch auf der Internetseite www.zvab.com – die Abkürzung steht für Zentrales Verzeichnis antiquarischer Bücher – kann man sich oftmals einen guten Überblick verschaffen, was für bestimmte alte Bücher gezahlt wird.

Was kann ich unabhängig vom Angebot der Landesmuseen machen, um mehr über mein Lieblingsstück zu erfahren?

Wir geben bei den „Ist-das-Kunst?“-Terminen eine Einschätzung zu Alter, Material und künstlerischer Qualität. Nach Möglichkeit haben wir auch immer eine Kollegin oder einen Kollegen aus dem Kunsthandel dabei, der eine erste Einschätzung zum Preis geben kann – das dürfen wir als Museumsleute nämlich gar nicht tun. Wenn man nicht auf die ein- bis zweimal jährlich stattfindenden Termine auf Schloss Gottorf warten will, kann man aber auch allein gut weiterkommen: Künstlerlexika wie der „Thieme-Becker“ sind in allen besseren Bibliotheken vorhanden – wenn Sie die Signatur auf Ihrem Bild entziffern können, finden Sie hier schon einmal eine erste Orientierung. Auch für Porzellan-, Zinn- oder Silbermarken und –punzen gibt es einschlägige Nachschlagewerke. Vieles ist mittlerweile auch online verfügbar – und im Netz findet man oft auch Sammler und Liebhaber, mit denen man sich online austauschen kann. Es kann sehr großes Vergnügen bereiten, sich detektivisch auf die Spur seiner persönlichen Schätze zu begeben.

Mal angenommen, meine ersten Recherchen ergeben, dass ich tatsächlich etwas von Wert besitzen könnte. Wie kann ich herausfinden, wie viel Geld ich dafür bekommen kann?

Dafür ist tatsächlich ein Besuch bei einem Kunsthändler, Antiquar oder einem Auktionshaus zu empfehlen – oftmals nehmen die dortigen Experten eine allererste Vorab-Einschätzung schon auf Grundlage eines per mail eingeschickten Fotos vor. In Kiel, Flensburg und anderen Städten gibt es eine Reihe von einschlägigen Häusern, an die man sich wenden kann – in Hamburg ist das Angebot natürlich noch weitaus größer. Über eine Internet-Suche und einen Blick auf die Homepages der verschiedenen Häuser finden Sie schnell Kontakte, die sich für Ihre Zwecke eignen.

Preise verändern sich im Laufe der Zeit sicherlich auch, oder?

Das stimmt. Kunst oder Antiquitäten sind immer genau so viel wert, wie jemand aktuell zu zahlen bereit ist. Das ist zwar bei Immobilien, Aktien oder Goldbarren strenggenommen auch nicht anders – aber man muss sich eben bewusst machen, dass der Kunstmarkt viel kleiner und zudem immer auch Moden unterworfen ist. Wenn Sie heute z.B. ein Biedermeier-Schränkchen verkaufen wollen, werden Sie vielleicht viel weniger erlösen als noch vor dreißig Jahren, während Bauhausmöbel im Preis eher gestiegen sind. Der persönliche Wert ist aber häufig ein ganz anderer, gerade wenn ein Stück mit der eigenen Familiengeschichte verbunden ist. Die allermeisten Kunstwerke sind ja nicht fürs Museum gemacht worden – und wenn man Kunst in der eigenen Wohnung hat und sie zu einem Teil seines Lebens werden lässt, kann das eine ungemein bereichernde und beglückende Erfahrung sein. Das ist gar nicht bezahlbar.

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