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Bordesholmer Altarretabel - drei Fragen an Prof. Dr. Oliver Auge

Prof. Dr. Oliver Auge

Eine interdisziplinäre Tagung anlässlich des 500. Jubiläums der Vollendung des Bordes­holmer Retabels vom 23. bis 25. September auf Schloss Gottorf widmet sich der herausragenden kunsthistorischen Bedeutung, künstlerischen Herkunft, den restauratorischen Fragen und Besonderheiten, historischen und kirchen­historischen Hintergründen, dem theologischen Umfeld seiner Entstehung sowie Fragen nach seinem Stifter und herrschaftlicher Repräsentation. Sie richtet sich an alle, die an diesem Thema interessiert sind.

Drei Fragen an...
Prof. Dr. Oliver Auge, Direktor der Abteilung für Regionalgeschichte am Historischen Seminar der CAU Kiel

Seit ein paar Jahren hat sich die Zusammenarbeit des Museums für Kunst und Kulturgeschichte und der Universität Kiel intensiviert. Regelmäßig finden gemeinsame Tagungen mit Regionalbezug statt. Warum lohnt sich diese Kooperation?

Das Museum und unsere Abteilung für Regionalgeschichte mit Schwerpunkt Schleswig-Holstein sind geradezu naturgegebene und zugleich starke Partner. Die schleswig-holsteinische Landes- und Regionalgeschichte ist so spannend und vielseitig und bietet so reichhaltige Ansatzpunkte zur modernen Geschichtsarbeit, das deren sinnvolle und ertragreiche Realisierung besser im Team mit anderen verlässlichen Playern als allein zu leisten ist. Natürlich muss auch die persönliche Chemie zwischen den Beteiligten stimmen – und dies ist hier auf jeden Fall gegeben. Die Verantwortlichen im Museum waren und sind stets offen für unsere vielen Kieler Ideen (die schon bis 2026 reichen, wenn wir eine gemeinsame Tagung zu Herzog Adolf I. machen wollen), und wir bringen uns immer gern ein, wenn konstruktive Vorschläge aus Schleswig kommen.

Bevor es im Januar 2022 mit den „Fürstinnen im Lande“ wieder eine gemeinsame Tagung gibt, widmen Sie sich in diesem September dem Bordesholmer Altarretabel. Was macht ein Bordesholmer Altar im Schleswiger Dom?

Zunächst war der Altar natürlich in Bordesholm aufgestellt. Doch was sollte mit ihm nach der Reformation passieren, als sich in Bordesholm kein Augustinerchorherrenstift mehr befand und auch keine generationenübergreifende landesherrliche Grablege eingerichtet worden war? Im katholischen Bayern zeigte man sich interessiert daran. Doch Herzog Christian Albrecht entschied sich dafür, den in Bordesholm etwas im Abseits stehenden Altar, um dessen Bedeutung und Wert man durchaus wusste, in einem antiquarischen oder, sagen wir doch einmal, denkmalschützerischen Sinn dort abzubauen und im Dom zu Schleswig, wo sich die Grablege des Hauses befand, wieder aufzustellen. Heute sind wir dankbar für diese Maßnahme, denn anderenfalls wäre der Altar bestimmt außer Landes oder ganz verloren gegangen. Natürlich bedauert man heute in Bordesholm den Schritt, obgleich die Stiftskirche dort natürlich allein schon eine große Sehenswürdigkeit ist.

Was ist das besondere des Altars, dass Sie ihm gleich eine ganze Tagung widmen?

Der Altar nimmt kunsthistorisch eine herausragende Position ein, indem hier, was anderenorts aus weichem Buchholz geschnitzt wurde, in höchst filigraner Weise Figuren und Szenerien aus hartem Eichenholz gefertigt sind. Die Einzeldarstellungen sind höchst meisterhaft, orientieren sich teilweise an Vorlagen Albrecht Dürers. Doch reicht die Bedeutung noch weiter: Wir fassen im Bildprogramm den immensen Reformgeist innerhalb der Kirche kurz vor bzw. im Aufziehen der Reformation. So sehen wir hier nicht nur die Kunst als solche auf der absoluten Höhe ihrer Zeit, sondern ebenso die dahinter stehenden weitreichenden Gedankengebäude. Kirche, Kunst, Kultur und Politik verschmelzen zu einer dicht gefügten und von uns heute in Detailarbeit aufzuschlüsselnden Einheit. 

 

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