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Impressionistische Kunst „sehen lernen“

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte präsentiert noch bis Ende Oktober die Sonderausstellung „Moderne und Idyll. Impressionismus in Deutschland. Unsere Kuratorin, die Kunsthistorikerin Lisanne Heitel, gibt Ihnen an dieser Stelle in regelmäßigen Abständen Einblicke in jene Zeit und stellt einzelne Werke vor. Zum Auftakt geht es um Reaktionen der kulturellen Elite Berlins im Jahr 1882 auf Werke aus Frankreich und um die Grafik „Jeanne“ von Edouard Manet...


Fassungslos steht die kulturelle Elite Berlins an einem Mittwochabend des Jahres 1882 im Salon von Carl und Felicie Bernstein. Das Sammlerehepaar präsentiert seine neuesten Erwerbungen: Zehn Gemälde aus Paris, darunter Manet, Monet, Pissarro und Morisot. Ungläubig fragt der gefeierte Maler Adolf von Menzel die junge Felicie: „Haben Sie wirklich Geld für den Dreck ausgegeben?“ und setzt hinzu: „Es ist meine aufrichtige Überzeugung, Ihre Bilder sind scheußlich.“

Was aber ist es, das derartige Ablehnung erregt? Max Liebermann, der die impressionistische Kunst bereits in den 70er Jahren in Paris kennengelernt hatte, zeigt sich als einer von wenigen hellauf begeistert, als er die Sammlung der Bernsteins sieht. Aber auch er erklärt in einem späteren Essay: „Ich gestehe, daß ich mir, als ich vor 25 Jahren die ersten Bilder der Impressionisten sah, keinen Vers darauf machen konnte. Man muß ebenso sehen lernen, wie man einen Beethovenschen Satz hören lernen muß.“ Die neue Seh- und Darstellungsweise der Impressionisten verlangt dem Betrachter des wilhelminischen Berlins einiges ab. Die aufgelösten Konturen und die wie zufällig angeschnittenen Personen und Objekte führen dazu, dass die Bilder als skizzenhaft und unfertig empfunden werden. In Manets Radierung "Jeanne", auch "Der Frühling" genannt, flaniert eine elegant gekleidete Pariserin mit blütenbestecktem Hut und Sonnenschirm durch einen Park. Mit wenigen grafischen Kürzeln und Strichen entwickelt Manet Lichtpartien, die die lebhafte Atmosphäre eines hellen Frühlingstages transportieren. Um den Eindruck des flüchtigen Moments unverfälscht einfangen zu können, skizziert er vor Ort, also plein air, direkt auf der Kupferplatte.

Im selben Jahr 1882, in dem die Bernsteins in Berlin mit ihrer Ausstellung schockieren, kann Manet mit seiner "Jeanne" – sowohl mit der Grafik als auch mit dem dazugehörenden Gemälde – in Paris große Erfolge feiern.

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