Coronavirus: Museen geschlossen

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„Im 17. Jahrhundert war Gottorf ein Hotspot des europäischen Musiklebens“

Am 30. März werden Musiker aus Dänemark und Deutschland in der Gottorfer Schlosskapelle die Matthäuspassion von Johann Theile aufführen. Das Konzert ist ein Beitrag zum 100-jährigen Jubiläum der Grenzziehung zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark, das heute ganz im Zeichen von Frieden und Versöhnung steht. 

Dr. Uta Kuhl, Kuratorin am Museum für Kunst und Kulturgeschichte und Expertin für die Schlossgeschichte, spricht im Interview über das Konzert und die Bedeutung von Gottorf in der Musikwelt vergangener Zeiten.

Frau Dr. Kuhl, welche Bedeutung hat die Matthäuspassion von Johann Theile für Gottorf? Was macht das Werk so besonders?

Es wurde 1673 auf Schloss Gottorf uraufgeführt. Den Erstdruck der Komposition widmete der Komponist dem Gottorfer Herzog Christian Albrecht und dessen Gemahlin, der dänischen Prinzessin Friederike Amalie. Im selben Jahr wurde Theile Gottorfer Hofkapellmeister und verbrachte hier eine musikalisch sehr fruchtbare Zeit, bevor die politischen Umstände den Herzog ins Exil nach Hamburg trieben. Theile folgte Christian Albrecht nach Hamburg und führte im Refektorium des Hamburger Doms Opern auf. Zusammen mit dem Herzog wirkte er entscheidend an der Gründung der berühmten Oper am Gänsemarkt im Jahr 1678 mit. Zu deren Eröffnung wurde die geistliche Oper „Adam und Eva“ von Theile gespielt.

Wenn wir heute „Matthäuspassion“ hören, denken wir an Johann Sebastian Bach. Was erwartet die Zuhörer in der Gottorfer Schlosskapelle?

Ein großer Teil der Musik Johann Theiles ist verloren. Umso bedeutsamer ist daher seine Matthäuspassion, die mehr als ein halbes Jahrhundert früher entstand als die berühmte Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Theiles Werk führt den Hörer durch die Leidensgeschichte Jesu, wie sie im Evangelium von Matthäus beschrieben wird. Theile war Schüler von Heinrich Schütz, seine Kompositionsweise ist aber eher mit der von Dietrich Buxtehude vergleichbar. Von seinen Zeitgenossen wurde Theile sehr geschätzt, heute ist er weniger bekannt, doch lohnt es sich, sein Werk neu zu entdecken.

Werden außer der Matthäuspassion auch noch andere Kompositionen zu hören sein?

Ja, das festliche Magnifikat von Dietrich Buxtehude leitet das Konzert ein, passend zum Fest Mariae Verkündigung am 25. März. Es folgen Passions-Motetten von Heinrich Schütz, dem Lehrer Theiles, bevor abschließend die Matthäuspassion erklingt.

Das klingt nach einer großen Besetzung…

Ja, das renommierte Vokalensemble Christians IV aus Kopenhagen kommt mit acht Sängerinnen und Sängern, das Ensemble Hamburger Ratsmusik unter Leitung von Simone Eckert besteht aus sechs Musikern. Es dirigiert Ruben Munk.

Was ist, wenn man sich über das Konzert hinaus für Gottorfer Hofmusik interessiert?

Es hat in der Vergangenheit bereits solche Konzerte gegeben. Und das Gute: Es sind auch CDs eingespielt worden, die noch im Museumsshop erhältlich sind.

Um was für Produktionen geht es da?

Das Ensemble Hamburger Ratsmusik, das wir im März im Rahmen des aktuellen Konzertes wieder erwarten, ist beispielsweise schon öfter auf Gottorf aufgetreten, unter anderem 2016. Damals erklangen geistliche Konzerte von Johann Theile unter dem schönen Titel „Seelen-Music“. Solistin war die Sopranistin Dorothee Mields. In Kooperation mit dem NDR wurde damals auch eine CD eingespielt.

Und jenseits des Komponisten Johann Theile?

Von 2012 bis 2016 haben wir unter anderem mit Unterstützung des Bundes das Festival Gottorfer Hofmusik veranstaltet – und zusätzlich jedes Jahr mindestens eine CD mit Kompositionen hervorgebracht, die auf Gottorf uraufgeführt wurden. Neben Theile wurden Werke von Augustin Pfleger, Johann Philipp Förtsch oder Georg Österreich aufgeführt, die echte Entdeckungen waren. Die überaus positive Aufnahme dieser Einspielungen von cpo in der Fachpresse zeigt eindrücklich: Im 17. Jahrhundert, der Gottorfer Glanzzeit, war der herzogliche Hof von Schloss Gottorf ein Hotspot des europäischen Musiklebens.

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