Hinweise für Ihren Besuch

Schloss Gottorf ist aufgrund von Sanierungsarbeiten geschlossen. Die Schleswiger Museumsinsel bleibt geöffnet. Was Sie bei uns erwartet, erfahren Sie HIER... Übrigens: Im Juli und August 2026 öffnen wir sonnabends und sonntags bereits eine Stunde früher für Sie - von 10-17 Uhr.

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Galerie der Moderne

Sie entfaltet ein überwältigendes Panorama voller Aufbrüche und Umbrüche, tiefer Einschnitte und künstlerischer Radikalität. Die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt einer bewegenden neuen Schau des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte Schloss Gottorf. Auf rund 1800 Quadratmetern begegnen Ihnen etwa 350 Werke bedeutender Künstler*innen der Moderne und Gegenwart. Viele davon stammen aus der renommierten Sammlung Horn. Im Fokus steht der deutsche Expressionismus mit Meisterwerken der Brücke. Einzigartig machen diese Ausstellung nicht zuletzt ihre vielfältigen norddeutschen Positionen mit Werken von Künstlern wie Emil Nolde, Ernst Barlach und Christian Rohlfs. 

Ermöglicht werden kann diese Ausstellung nur aufgrund der außergewöhnlichen Sammlung der Stiftung Horn - in der private Leidenschaft und institutionelle Weitsicht über Jahrzehnte hinweg eine gemeinsame Form gefunden haben. Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte ist seit Jahrzehnten eng mit der Stiftung verbunden und die Sammlung seit 1995 im umgebauten ehemaligen Militärstall des Schlosses zuhause. Nach einer umfassenden Sanierung des Gebäudes zeigt die Galerie der Moderne sich in farblich neuem Glanz, chronologisch geordnet und ergänzt um Positionen aus den Beständen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte.

350 Werke bedeutender Künstler*innen der Moderne und Gegenwart auf rund 1800 Quadratmetern 

Den Auftakt bilden frühe Gemälde von Alexej von Jawlensky. Seine Köpfe sind keine Porträts im traditionellen Sinn. Er reduzierte die physiognomischen Details zugunsten einer ikonischen Form, die weniger individuelle Züge als innere Zustände sichtbar macht. Diese Arbeiten zeigen, wie radikal sich die Malerei um 1900 von naturalistischen Erwartungen entfernte.

Der Expressionismus markiert einen umfassenden künstlerischen Aufbruch, der subjektiven Ausdruck, emotionale Intensität und die Verbindung von Leben und Kunst in den Mittelpunkt stellte. Wichtiges frühes Signal war hierfür 1905 die Gründung der Künstlergruppe Brücke in Dresden. Zu ihren Initiatoren gehörten Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner, später kamen Max Pechstein und Otto Mueller hinzu. Ihre Malerei arbeitete mit leuchtenden, oft ungemischten Farben und einer stark reduzierten Formensprache, die sich bewusst von akademischen Konventionen absetzte. Emil Nolde gehörte nur kurz zur Brücke und ging dann seinen eigenen Weg. 

Schon früh wurden auf Schloss Gottorf Werke von Künstler*innen gesammelt und präsentiert, die aus Schleswig-Holstein stammten oder der Region eng verbunden waren, darunter Ernst Barlach, Christian Rohlfs und erneut Nolde. Durch die Stiftung Horn können diese Positionen in größerem Umfang gezeigt werden. Rolf Horn, gebürtiger Kieler, legte bewusst einen Sammlungsschwerpunkt auf die Kunst seiner alten Heimat. Werke der Brücke, die an der schleswig-holsteinischen Ostsee entstanden, treffen hier auf eine Landschaft, die sie geprägt hat.

Ein Schwerpunkt: der deutsche Expressionismus mit Meisterwerken der Brücke

Für die expressionistische Avantgarde war 1910 die Gründung der Neuen Secession in Berlin von zentraler Bedeutung. Initiiert wurde sie von Georg Tappert, nachdem zahlreiche avantgardistische Künstler von der traditionellen Berliner Secession zurückgewiesen worden waren. Zu den Mitbegründern gehörten unter anderem Max Pechstein und César Klein.

Der Erste Weltkrieg bildete eine tiefe Zäsur. Die anfängliche Kriegsbegeisterung wich rasch Ernüchterung, und unter den Gefallenen befanden sich auch Künstler wie Franz Marc, August Macke, Franz Nölken oder Hans Fuglsang aus Hadersleben. Viele künstlerische Entwicklungen brachen abrupt ab, andere wurden durch die Kriegserfahrungen nachhaltig geprägt. Um das Erlebte zu verarbeiten, griffen Künstler wie Christian Rohlfs, Heinrich Stegemann oder Max Kahlke auf religiöse Bildformeln zurück. 

Nach 1918 veränderte sich das Verständnis von Kunst grundlegend. Der Maler und Grafiker Conrad Felixmüller formulierte rückblickend, Kunst sei nun zu einer historischen Angelegenheit geworden. Damit meinte er, dass künstlerische Formen zunehmend als Reaktionen auf konkrete gesellschaftliche und politische Umbrüche gelesen werden. Die von Kiel ausgehende Revolution von 1918 fand ihren künstlerischen Widerhall im sogenannten Kieler Revolutionsexpressionismus und später in der Novembergruppe.

Kunst als "Bild der Zeit"

Die Zeit des Nationalsozialismus brachte für viele Künstler*innen existenzielle Einschnitte, Exil, Verfolgung, Tod. Zugleich zeigt der Fall Emil Nolde die Widersprüchlichkeit der Epoche. Obwohl er dem Nationalsozialismus politisch nahe stand, wurden seine Werke als entartet diffamiert. Andere Künstler*innen fanden erst in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu ihrem eigentlichen Thema.

Jedes Werk behauptet seine Eigenständigkeit und verweist zugleich auf den historischen Kontext, aus dem es hervorgegangen ist. Oder, um noch einmal Kirchner zu paraphrasieren, es entsteht ein Bild der Zeit.

Eine norddeutsche Reaktion der 1960er Jahre ist die figurative Malerei der Gruppe ZEBRA. Als spätere Gegenbewegung zur beherrschenden Abstraktion formieren sich in den 1980er Jahren auf Initiative von Nikolaus Störtenbecker die Norddeutschen Realisten, die sich bekanntlich vor allem der Pleinair-Malerei verschrieben (in der Galerie zu sehen sind u.a. Werke von Klaus Fußmann, Friedel Anderson und auch Christopher Lempfuhl) und international die Neuen Wilden mit Rainer Fetting als einem ihrer wichtigsten Protagonisten.

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