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Das bedeutendste Kunstwerk des Landes wird 500 Jahre alt

Der sog. Bordesholmer Altar des Hans Brüggemann im St. Petri Dom zu Schleswig gilt als einer der spektakulärsten Schnitzaltäre der  Zeit um 1500. Das in seiner Pracht und Dimensionen singuläre Altarretabel wurde in sieben Jahren von dem Bildschnitzer Hans Brüggemann geschaffen und 1521 vollendet. Schon Zeitgenossen waren fasziniert von der unerhörten Kunstfertigkeit des aus Eichenholz geschnitzten Retabels. Mit rund vierhundert Figuren und einer Höhe von rund 12,60 Meter ist er der größte Altar Norddeutschlands und eines der bedeutendsten Kunstwerke des Landes. 

Ursprünglich schuf Brüggemann den Altar für die Kirche des Augustiner Chorherrenstifts in Bordesholm. Sein Auftraggeber und Stifter war Friedrich I., Herzog von Schleswig und Holstein, der ab 1523 als König über Dänemark und Norwegen herrschte. Der Altar war in Bordesholm Teil der herzoglichen Grablege. Heute befindet sich dort noch das bronzene Grabmal des Herzogs und seiner ersten Gemahlin. Friedrich I. wurde später jedoch im Schleswiger Dom begraben. Dort steht seit 1666 auch der Bordesholmer Altar. Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf ließ den Altar im Schleswiger Dom aufstellen, in unmittelbarer Nähe zur neuen herzoglichen Grablege und zum Grabmal seines Vorfahren, Herzog und König Friedrich I. 

In geöffnetem Zustand zeigt der Altar mit seinen fast vierhundert Figuren eine überreiche Darstellung der biblischen Passions- und Heilsgeschichte. Obwohl aus hartem Eichenholz geschnitzt, fasziniert bis heute, wie genau und detailreich die Figuren gearbeitet sind. Als Vorlage dienten Brüggemann Holzschnitte des berühmten Albrecht Dürer. Dies Vorgehen war seinerzeit üblich und zeigt den hohen Anspruch, den Künstler und Auftraggeber an das Werk stellten.

Tagung würdigt herausragende kunsthistorische Bedeutung des Altars und stellt ihn in einen größeren historischen, kirchengeschichtlichen und theologischen Kontext 

Die Meisterschaft des Bildschnitzers Brüggemann aber zeigt sich nicht nur an der kongenialen Umsetzung in die Drei­dimen­sionalität, sondern auch an der Fülle von feinsten Details: die Gesichtszüge der Menschen, die Adern auf ihren Händen und Beinen, das Spiel der Muskeln. Die Gewänder, die Rüstungen, die unglaubliche Vielfalt an Kopfbedeckungen nehmen uns hinein in die modische Welt der beginnenden Neuzeit. In emotionalen Darstellungen können wir einzelnen Figuren im Altar folgen: Petrus, Judas, Johannes, einem Soldaten, Maria Magdalena oder Maria, der Mutter Jesu. Diese tauchen immer wieder auf und sind so charakteristisch dargestellt, dass jeder Zeitgenosse sie erkennen konnte.  

Der erzählerische Reichtum des Altars dient einem hochkomplexen theologischen Programm – der biblischen Heilsgeschichte. Zu verstehen sind dieses komplexe Bildprogramm und die Hintergründe der Beauftragung an Brüggemann nur, wenn man sie in die kirchenpolitischen Zusammenhänge einordnet, die zum Ausgang des Mittelalters in Schleswig und Holstein herrschten. Der originale Standort Bordesholm sowie die spätere Umsetzung müssen vor dem Hintergrund der herrschaftlichen Repräsentation und Erinnerungspraxis der Herzöge gesehen werden. Auch die Augustinerchorherren von Bordesholm standen vor der Herausforderung, ihren Weg zwischen Kirche und Welt zu finden; sie waren Teil religiöser Reformbewegungen. Das theologische Gesamtkonzept des Altars illustriert eine Geschichtstheologie, wie sie im Umfeld der Augustiner beheimatet war.

Die interdisziplinäre Tagung anlässlich des 500jährigen Jubiläums der Vollendung des Bordesholmer Altars widmet sich diesen und weiteren Fragen, die bis heute Rätsel aufwerfen. So würdigt die Tagung nicht allein die herausragende kunsthistorische Bedeutung des Altars, sondern stellt ihn in einen größeren historischen, kirchengeschichtlichen und theologischen Kontext. Auch die künstlerische Herkunft Brüggemanns, sein weiteres Schaffen sowie restauratorische Fragen und Besonderheiten wie die holzsichtige Fassung des Bordesholmer Retabels werden auf der Tagung auf dem neuesten Forschungsstand debattiert. 

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